Die etwa 53 cm hohe Holzskulptur aus Eiche gehört zur Serie der „Engel“. Auffällig ist zunächst die zurückgenommene Haltung der Figur: Die Arme sind hinter dem Rücken verschränkt und treten dadurch seitlich kaum hervor, der Oberkörper wirkt leicht gebückt. Der reduziert gestaltete Kopf verstärkt diesen Eindruck und lässt die Proportionen bewusst zwischen menschlicher Figur und vereinfachter Form stehen. Die Oberfläche der Holzfigur wird von den Spuren der Kettensäge geprägt. Breite Schnitte, Vertiefungen und stehengebliebene Partien lassen den Bearbeitungsprozess unmittelbar sichtbar werden. Das natürliche, warme Eichenholz bleibt dabei an vielen Stellen erhalten. Darüber liegen dunkle und blaue Farbschichten, die nicht als geschlossene Bemalung erscheinen, sondern immer wieder vom Holz durchbrochen werden. Besonders im Oberkörper und an den Armen entsteht durch das Zusammenspiel von Blau, dunklen Partien und freiliegendem Holz eine wechselnde Wirkung. Je nach Licht treten einzelne Schnitte und Farbflächen stärker hervor, während andere Bereiche fast in der dunklen Oberfläche verschwinden. Die Figur wirkt dadurch aus der Entfernung geschlossen und ruhig, während sich aus der Nähe eine wesentlich bewegtere und vielschichtigere Oberfläche zeigt. Auch die ungewöhnliche Stellung der Arme verändert die Wahrnehmung des Körpers. Die Figur scheint sich nicht nach außen zu öffnen, sondern hält ihre Bewegung dicht am eigenen Körper. Zusammen mit dem festen Stand und den leicht unterschiedlich ausgearbeiteten Beinen entsteht eine konzentrierte, etwas verschlossene Präsenz. Als zeitgenössische Holzskulptur verbindet die Arbeit die erkennbare menschliche Figur mit einer bewusst reduzierten bildhauerischen Form. Die sichtbare Kettensägenarbeit, das Eichenholz und die partiellen Farbschichten bleiben dabei wesentliche Bestandteile des Ausdrucks. So entsteht eine kleine Holzskulptur, deren Wirkung vor allem aus Proportion, Oberfläche, Farbe und Körperhaltung entsteht – und weniger aus einer eindeutig erzählten Geschichte.