Der Akt „schwarze Eva“ nimmt durch seine rohe Haptik und dunkle, fast mystische Ausstrahlung den Raum für sich ein. Aus dem massiven Stamm eines Apfelbaums herausgearbeitet, steht dieser fast lebensgroße Akt für eine intensive Auseinandersetzung mit der menschlichen Urform. Die moderne Figur zeigt sich in einer Haltung absoluter Offenheit und Verletzlichkeit. Die geöffneten Beine und die fragmentarische Darstellung wirken dabei nicht als voyeuristisches Element, sondern als Ausdruck einer archaischen Körperlichkeit. Durch das Schwärzen und Ölen des Holzes wird die natürliche Maserung des Apfelbaums fast vollständig zurückgenommen. So treten die Silhouette und die Spuren der Motorsäge noch stärker in den Vordergrund. Technisch lebt die Arbeit von einem harten Kontrast: Die eigentlich warme, organische Lebendigkeit des Obstholzes trifft auf die ungeschönte Bearbeitung mit der Kettensäge. Das tiefe Schwarz verleiht der Holzskulptur eine Schwere und Eleganz, die sie wie einen dreidimensionalen Schattenriss wirken lässt. Sie ist mehr als eine bloße Darstellung – ein zeitgenössisches Unikat, das Fragen nach Weiblichkeit, Ursprung und Vergänglichkeit aufwirft. Eine moderne Skulptur, die nicht gefallen will, sondern durch ihre bloße Präsenz wirkt.